
Du bist gemütlich auf dem Weg zu deiner Großmutter, weil diese dich zu einem köstlichen Tee und Spritzgebäck eingeladen hat. In aller Seelenruhe sitzt du in deinem geliebten Gefährt, welches sich selbst in Eile nur 80 km/h entlocken lässt. Im Radio läuft fröhliches Gedudel aus dem Musikantenstadl und du pfeifst jedes Lied wie ein Singvogel mit. Ist das Leben nicht schön?
Doch plötzlich vibriert der Lenker. Auch der Sitz fängt an zu rütteln. Du spürst förmlich, wie sich drei Geisterfahrer nähern. Zwei Sekunden später rasen die verrückten Autobahnpiraten an dir vorbei.
Bei dieser Geschwindigkeit ist nicht einmal das Auto exakt zu erkennen. Nur drei Blitze auf dem Asphalt des kommenden Todes. Und da geschieht das Unabwendbare. Der Vordermann der Raser verschätzt sich um ein paar Zentimeter und knallt mit 250 Sachen gegen einen unschuldigen Verkehrsteilnehmer.
Nicht nur die Funken, sondern auch die Autos fliegen, als ob es kein Morgen gäbe.
Deine Augen sind starr vor Schock und doch strahlen sie eine unglaubliche Faszination aus.
Einen Augenblick später begreifst du, worauf du dich eingelassen hast.
Wilkommen in der Welt von Burnout Legends!
Electronic Arts bringt nun schon das zweite Rennspiel auf die PlaystationPortable.
Nachdem man in Need4Speed Underground Rivals seiner Kreativität freien Lauf lassen konnte und sich somit das ganz persönliche Traumvehikel zusammengestellt hat, hat man in Burnout Legends die Chance, seiner Wut den Weg zu ebnen und die Straßen zu einem Spielplatz der Metallmassaker zu verwandeln. Schon auf den stationären Konsolen konnte die Hetzjagd nicht nur aggressive Sonntagsfahrer begeistern. Das erfrischende Spielprinzip, das aus dem Rennspiel mehr herausholte, als nur stupides Rundenfahren, fesselte groß und klein an den Bildschirm. In einer Woche wird die Serie mit dem vierten Teil auf der Playstation2 fortgesetzt. Jetzt mag man meinen, dass es sich bei der PSP-Version um eine Portierung des vierten Crashspektakels handeln würde, doch hier werden die Karten anders gemischt. Der Zusatz "Legends" passt perfekt zum Spiel, vereint die PSP Version doch die besten Aspekte, sprich Strecken, Autos und Features, der ersten drei Burnout Spiele und lässt diese als "Best of" der Serie bezeichnen. Ob das Spiel auf der Pole-Position der PSP-Racer landet, oder mitten auf dem Weg einen Totalschaden erleidet, erfahrt ihr in unserem Bericht live vom Austragungsort.
Das Grundprinzip von Burnout ist schnell erklärt. Ziel ist es (wie sollte es auch anders sein), den ersten Platz bei jedem der Events zu belegen und mit der Goldmedaille nach Hause zu fahren. Der kleine aber feine Unterschied ist jedoch, dass nicht nur perfektes Lenken und das Spiel von Gas und Bremse eine Rolle spielen. Ganz im Gegenteil wird die Bremse bei euch schon nach einigen Rennen in Vergessenheit geraten. Barbarisches Verhalten wird (im Gegensatz zum echten Leben) hier groß geschrieben und auch entsprechend gewürdigt. Euer Konkurrent ist euch ein Dorn im Auge und bedroht eure Erstplatzierung. Keine Scheu, denn das Leben auf der Straße kann so einfach sein. Ein ordentlicher Schubs von hinten, das Vehikel gerät außer Kontrolle und küsst die Bande. Schon ist das Problem aus der Welt geschafft.
Crash or Lose lautet die Devise, wenn man in dem Getümmel aus PS-starken Musclecars, geschmeidigen Sportwagen und gigantischen Trucks überleben will. Im World Tour Modus, der das Herz des Spiels symbolisiert, könnt ihr eure Rennen, die auf der ganzen Welt stattfinden, auswählen.
Hier kommen die verschiedenen Arten von Rennen zur Geltung. Acht an der Zahl lassen Langeweile zum Fremdwort avancieren.
Wir beginnen mit dem normalen "3-Runden-Rennen", das keiner weiteren Erklärung bedarf. In "Burning Lap" ist es eure Aufgabe, eine bestimmte Rundenzeit zu knacken. Hier sollte man Unfälle vermeiden, da diese wertvolle Sekunden kosten, welche Über Sieg und Niederlage entscheiden. Das "Face-Off" ist ein Duell auf einer belebten Strecke, dessen Sieger das Auto des Verlierers als Trophäe erhält. Der "Verfolgung"smodus bedarf eigentlich auch keiner weiteren Worte: Als Hüter des Gesetzes verfolgt ihr einen Flüchtling und müsst versuchen, diesen in einer bestimmten Zeit aufzuhalten und außer Gefecht zu setzen. Ein Kenner der Serie spricht in guter Burnout-Manier von einem "Takedown".
Weiter geht es mit einem der spaßigsten Aufgaben des ganzen Spiels. Im "RoadRage" könnt ihr den psychopathischen Geisterfahrer mimen und versuchen, so viele Gegner wie möglich von der Strecke zu pusten. Besonders "schöne" („brutale“ trifft es wohl eher) Manöver werden mit Fotos des Unfalls gewürdigt. Abgeschlossen wird die Autoserie, von der es übrigens fünf (Compact, Muscle, Coupé, Sports und Super) gibt, mit einem Grand Prix. Ein Turnier aus drei Rennen, in dem ihr Punkte sammelt und am Ende, falls ihr den Anforderungen gewachsen seid, als Champion gekürt werdet.
Mathefreaks, die fit im Kopfrechen sind, werden bemerkt haben, dass bis jetzt jedoch nur von sieben Events die Rede war. Das achte Event, genannt "Crash" stellt ein eigenständiges Prinzip dar.
Fernab von Rennen geht es hier nicht mehr um eine Erstplatzierung. Diese Aufgaben sind eher etwas für Verwüstungsjunkies. In 100 Crash-Events müsst ihr einen möglichst spektakulären Massenunfall „auf die Beine stellen“, dessen Schaden in Dollar auf eurem Punktekonto landet. Ihr beginnt in den meisten Fällen kurz vor einer Kreuzung. Auf dem Weg sammelt ihr ein paar Items, die euch Extrapunkte oder Turboschübe verschaffen, fahrt danach auf eine Rampe und landet mit voller Wucht im Feierabendverkehr. Am Anfang des Events habt ihr einen bestimmten Countdown bis zum Crashbreaker. Dieser sinkt gen Null, wenn ihr Totalschäden an anderen Autos verursacht. Schafft ihr es, den Crashbreaker zu erreichen, explodiert euer Auto und richtet noch einmal extremen Schaden an.
Der Fahrzeugschaden wird eurem Punktekonto in Form einer (mehr oder weniger großen) Summe USD gutgeschrieben. Katastrophale Massenkarambolagen werden sogar mit einer Schlagzeile in der Zeitung belohnt.
Gameplay:
Takedowns sind Trumpf!
Auch Burnout setzt auf den berühmten Boost, der besonders bei Takedowns essentiell ist. Mit geschickten Aktionen wie Sprüngen, Drifts, und wagemutigem Fahren im Gegenverkehr, steigt eure Boostleiste. Ein von euch angezettelter Takedown füllt eure Leiste bis zum Anschlag auf.
Jeder der austeilt, muss auch einstecken können! Das ist auch bei Burnout Legends nicht anders. Eure Gegner versuchen ebenso euch entweder in einen Unfall mit einem Verkehrsteilnehmer zu verstricken, oder euch ganz dreist gegen die Bande zu pressen. Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten, denn selbst, wenn euer PS-Monster in die Luft geht, könnt ihr es immer noch Lenken und somit dem kommenden Gegner den Weg versperren. Dieser Aftertouch-Takedown zerstört nicht nur den Gegner, sondern verschafft euch eine gewaltige Boostleiste, damit ihr euch dem Kontrahenten sofort an die Fersen, ähm, Reifen hängen könnt.
Gesteuert wird entweder mit dem Analog-Nub oder dem Steuerkreuz. Beide Varianten reagieren hervorragend und lassen ein gutes Gefühl aufkommen. Simulationsfans werden fluchen und schreien, doch diese sollten sowieso zu DTM greifen. Arcadeaction auf einem Niveau wie dem von Burnout, wird euch selten zu Gesicht kommen. Obwohl Anfänger öfters wütend schnaufen werden, haben sie doch schon zum zehnten Mal das Rennen in den Sand gesetzt, liegt das nicht an der Steuerung, sondern einfach an der Übung. Ist der Schwierigkeitsgrad in der ersten Serie moderat und perfekt für Einsteiger geeignet, steigt dieser in den höheren Klassen rapide an und wird zum Ende des Spieles trickreich und knackig. Frustration kommt aber nur in den seltensten Fällen vor.
Grafik:
Grafik hui, Fehler pfui!
Der technische Aspekt bietet genug Stoff für ganze Lobeshymnen, hat jedoch auch ein paar Leichen im Keller versteckt. Die Details sind super. Jede Strecke hat ein gewisses Flair, das eine unglaubliche Atmosphäre vermittelt. Ob Flughafen, Waldgebiet oder ein lebendiger Freeway. Jede Strecke spielt sich anders und bietet unterschiedliche Tücken.
Dennoch gibt es auch einige Kritikpunkte. Erstens wäre da die Framerate, die bei manchen Kursen doch arg in die Knie geht. Bei einem solch furios schnellen Spiel wie Burnout fällt es besonders stark auf, wenn alles wie in Zeitlupe läuft. Außerdem gibt es beim Wechsel eines Liedes eine lästige Nachladepause von ca. zwei Sekunden, die das Spielgeschehen komplett einfriert. Auch von minimalen Grafikfehlern wie bewegendem Asphalt im Crash-Event, bleibt der Titel nicht verschont.
Sound:
We will rock you!
Die elektronischen Künstler folgen der Burnout-Tradition und bieten rockige Töne in feinster Qualität. Ganze 21 Songs, die im EA Traxx auch einzeln angehört werden können, unterstreichen die berauschende Atmosphäre einer Hetzjagd mit 300km/h. Zwar mag diese Art von Musik nicht jedermanns Sache sein, doch passt sie sprichwörtlich wie die Faust aufs Auge.
Features und Besonderheiten:
Eine Menge auf dem Kasten!
89 Wagen, 17 Strecken, die rückwärts und gespiegelt zur Verfügung stehen und ein phänomenaler World-Tour Modus mit insgesamt 175 Events werden euch für Tage vor die PSP fesseln. Geübte Burnoutspieler werden circa 20 Stunden brauchen, um das Spiel zu komplettieren. 5-10 Stunden mehr bedarf es für Anfänger. Besonders für diese ist es ein unglaubliches Erlebnis, da die komplette Serie ein Revival feiert und somit das Beste vom Besten geboten wird. Alles in allem eine staatliche Bilanz für ein Rennspiel.
Multiplayer:
Schadenfreude hoch zehn!
Nichts macht mehr Freude, als mit 5 Freunden über die Piste zu brettern. Schadenfreude ist die schönste Freude, sprach ein weiser Mann. Höchstwahrscheinlich ist er in den Genuss von Burnout im Multiplayer gekommen, denn dieser Satz ist die einzige notwendige Erklärung für das pure Vergnügen.
Wie lange haben wir gefleht, wie lange gebetet? EA erfüllt den PSP-Jüngern endlich ihren sehnsüchtigsten Wunsch. Burnout Legends unterstützt Gamesharing. Zwar stehen nur 5 Strecken zur Auswahl und das Auto wählt der Host, doch freut man sich riesig endlich auch mit nur einer UMD mit Freunden spielen zu dürfen. Außerdem bekommt jeder Gamesharingpartner eine Demo für den SinglePlayer-Part spendiert, die jedoch nach dem Ausschalten verständlicherweise wieder gelöscht ist.
Fazit:
Burnout hat es geschafft! Dem Rennspiel mit dem Crash-Faktor ist ein nahezu perfekter PSP Auftritt geglückt. Nicht nur, dass Burnout Wipeout vom Rennspielthron stößt, es schafft auch den Sprung auf den PSP Thron und übertrifft alle bisherigen Spiele. Kleine Mängel sind da leicht verziehen und vergessen. Burnout Legends bietet alles, was man von einem Topspiel zu erwarten hat. Wer noch kein Rennspiel sein Eigen nennt, sollte spätestens jetzt zugreifen!
Burnout lehrt die Konkurrenz das Fürchten!
